Warum manche Händlerumsätze Markenhersteller mehr kosten, als sie bringen
Einordnung: Wenn stabile Umsätze ein ungutes Gefühl hinterlassen
Viele Markenhersteller stehen vor einem bekannten Dilemma: Ein Teil ihrer Händler erzielt seit Jahren stabile, verlässliche Umsätze. Diese Umsätze sind gut planbar, intern fest einkalkuliert und häufig ein selbstverständlicher Bestandteil der Absatzplanung.
Gleichzeitig entstehen sie im Marktplatzgeschäft zunehmend unter Bedingungen, die der Wahrnehmung der Marke schaden: aggressive Preisnachlässe, hohe Transparenz und ein wachsender Preiswettbewerb. Der Umsatz stimmt also – doch der Markenwert beginnt schleichend zu leiden. Dies führt intern zu Unsicherheiten, Diskussionen und strategische Spannungen.
Missverständnis: Warum bloßer Umsatz die falsche Kennzahl ist
Umsatz ist eine starke Kennzahl. Er ist sichtbar, vergleichbar und intern leicht zu kommunizieren. Gerade deshalb wird er im Tagesgeschäft häufig zur dominierenden Steuerungsgröße. Problematisch ist seine isolierte Betrachtung – ohne Einordnung, Differenzierung oder Berücksichtigung seiner Nebenwirkungen.
Denn nicht jeder Umsatz trägt gleichermaßen zum Unternehmenserfolg bei. Manche Umsätze stärken die Marke, andere schwächen sie. Wieder andere verschieben lediglich Volumen, ohne echte Wertschöpfung zu erzeugen. Gerade im Marktplatzumfeld ist diese Unterscheidung entscheidend – wird aber häufig erst dann thematisiert, wenn die Effekte bereits sichtbar sind.
Das offensichtliche Problem: Händler-Preisdumping beschädigt Marken kanalübergreifend
Im Marktplatzumfeld wirkt Preis nicht isoliert, sondern immer als Referenz. Schon einzelne Händler mit aggressiver Preisstrategie können den wahrgenommenen Marktpreis neu definieren und bestehende Vergleichslogiken verschieben.
Amazon folgt dabei dem Marktpreis – nicht der Marke. Sinkt dieser dauerhaft, leidet nicht nur die Marge, sondern auch die Wahrnehmung des Produkts. Preis wird zum dominanten Entscheidungskriterium. Niedrige Preise verändern Erwartungshaltungen und prägen langfristig das Markenimage – unabhängig von der tatsächlichen Qualität oder der wohlüberlegten Positionierung. Diese Effekte entstehen schleichend, entfalten aber über Zeit eine erhebliche Wirkung.
Preisdumping wirkt über den einzelnen Händler hinaus
Preisnachlässe einzelner Händler bleiben selten isoliert. Sie beeinflussen Vergleichsmechaniken, verändern Kaufentscheidungen und setzen neue Referenzwerte im Markt.
Was kurzfristig Absatz bringt, kann langfristig dazu führen, dass Produkte nur noch über den Preis wahrgenommen werden – und nicht mehr über Qualität, Leistung oder Marke.
Problematische Händler werden oft aus Angst gehalten
Viele Hersteller halten an preissensiblen oder markenschädigenden Händlern fest, obwohl die negativen Effekte bekannt sind. Die Gründe sind selten strategisch, sondern organisatorisch und emotional geprägt.
Angst vor kurzfristigem Umsatzverlust, gewachsene Vertriebsstrukturen, bestehende Anreizsysteme oder fehlende Alternativen auf dem Papier führen dazu, dass bekannte Probleme akzeptiert statt gelöst werden.
Die versteckten Kosten bleiben oft unsichtbar
Händlerumsätze, die auf Preisdumping basieren, verursachen Kosten, die selten direkt bilanziert werden. Sinkende Verhandlungsspielräume, steigende AVN-Forderungen, geringere Conversion oder ein beschädigtes Preisimage wirken schleichend, aber nachhaltig.
Diese Effekte entstehen nicht sofort, summieren sich jedoch über Zeit – und machen solche Umsätze langfristig teurer, als sie auf den ersten Blick erscheinen.
Zusammenfassung: Die drei zentralen Punkte
Nicht jeder Umsatz stärkt die Marke. Gerade im Marktplatzumfeld kann Volumen ohne Wertschöpfung langfristig Schaden anrichten.
Preisdumping wirkt systemisch: Es verändert Preiswahrnehmung, Vergleichslogiken und Markenimage – oft unabhängig von der eigentlichen Produktqualität.
Händlerumsätze sollten daher nicht nur nach Volumen bewertet werden, sondern nach ihrem Beitrag zu Markenstärke, Marge und strategischer Kontrolle.
Vertiefung / praxisnahe Einordnung
Ein zentraler Hebel liegt in der Steuerung von Vertriebs- und Anreizsystemen. Wenn Volumen unabhängig von Preisniveau oder Markenwirkung belohnt wird, entsteht ein struktureller Zielkonflikt zwischen kurzfristigem Umsatz und langfristiger Markenführung.
Hersteller gewinnen Kontrolle zurück, wenn sie Umsatz differenzieren, klare Leitplanken setzen und markenschädigende Umsätze nicht länger gleich behandeln wie wertschaffende.
Nicht jeder Umsatz stärkt das Geschäft
Händlerumsätze, die primär über Preisdumping entstehen, wirken auf den ersten Blick stabil und verlässlich. Langfristig untergraben sie jedoch genau das, was Markenhersteller eigentlich schützen wollen: Markenwert, Margenstabilität und strategische Verhandlungsfähigkeit.
Der Verlust solcher Umsätze ist selten das eigentliche Risiko.
Das größere Risiko liegt darin, sie aus Gewohnheit, Angst oder falschen Anreizen dauerhaft zu tolerieren und damit schleichend die eigene Position im Markt zu schwächen.
Marken gewinnen Kontrolle nicht durch maximale Umsatzhöhe, sondern durch bewusste Differenzierung.
Wer zwischen wertschaffendem und markenschädigendem Umsatz unterscheidet, schafft die Grundlage für gesündere Margen, bessere Conversion und eine nachhaltige Markenführung auf Marktplätzen.



